Bundesmarine im Aufbau

Von der Dienststelle zur Flotte – der schwierige Neubeginn ab 1956

Am 2. Januar 1956 begann in Wilhelmshaven ein neues Kapitel deutscher Marinegeschichte. Rund zehn Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges traten die ersten Freiwilligen der neu aufgestellten Bundesmarine ihren Dienst an. Die ersten Marineeinheiten entstanden dabei nicht irgendwo, sondern hier in Wilhelmshaven – an einem Ort, der über Jahrzehnte von der deutschen Marine geprägt worden war.

Doch von einer Flotte konnte zunächst keine Rede sein

Die Bundesmarine musste praktisch von Grund auf aufgebaut werden.

Personal musste gewonnen und ausgebildet, Dienststellen mussten eingerichtet, Kasernen und Infrastruktur hergerichtet und Schiffe und Boote beschafft werden. Die erste Marineeinheit war die im Januar 1956 aufgestellte Marinelehrkompanie in Wilhelmshaven.

Sie bildete den Ausgangspunkt für den weiteren personellen Aufbau. Gleichzeitig entstanden die ersten Führungs- und Unterstützungsstrukturen. Am 2. Mai 1956 nahm in Wilhelmshaven-Sengwarden das Kommando der Flottenbasis seinen Dienst auf. Am 15. Juni folgte das Kommando der Seestreitkräfte, zunächst unter der kommissarischen Führung von Kapitän zur See Max-Eckart Wolff. Damit begann sich aus einzelnen Dienststellen allmählich eine militärische Führungsstruktur zu entwickeln.

Die ersten Boote gehen in Dienst

Besonders schnell ging der Aufbau bei den Minenstreitkräften voran. Am 16. Mai 1956 wurde in Wilhelmshaven das 1. Schnelle Minensuchgeschwader mit zwölf Booten aufgestellt. Am 1. Juni folgte in Bremerhaven das 2. Hochseeminensuchgeschwader mit sechs Booten.

Das war kein Zufall. Bereits nach dem Krieg waren deutsche Minenräumverbände unter alliierter Führung eingesetzt worden. In Nord- und Ostsee mussten tausende Seeminen geräumt werden. Aus diesen Erfahrungen und vorhandenen Strukturen konnte die junge Bundesmarine teilweise auf Personal und Boote zurückgreifen. Auch der Seegrenzschutz und die amerikanisch geführte Labour Service Unit bildeten wichtige personelle und materielle Ausgangspunkte.

Damit begann etwas, das für die spätere Bundesmarine charakteristisch werden sollte.

Vom Kommando der Seestreitkräfte zum Flottenkommando

Auch die Führungsorganisation entwickelte sich weiter.

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Die Minenräumer – Deutschlands gefährlicher Neubeginn zur See 1945–1956

Als Deutschland noch keine Marine besaß
8. Mai 1945. Der Zweite Weltkrieg ist beendet. Die deutsche Kriegsmarine existiert nicht mehr. Deutschland ist besetzt, die militärischen Strukturen werden aufgelöst und die deutschen Streitkräfte gehören der Vergangenheit an. Doch eine Aufgabe lässt sich nicht einfach beenden: Die Meere müssen wieder sicher werden. Während des Zweiten Weltkriegs hatten die Kriegsparteien in großem Umfang Seeminen in Nord- und Ostsee sowie in den Zufahrten zu Häfen und wichtigen Seewegen verlegt. Diese Minen stellten auch nach Kriegsende eine erhebliche Gefahr dar. Für die Handelsschifffahrt, die Versorgung der Bevölkerung und den wirtschaftlichen Wiederaufbau mussten die Seewege wieder befahrbar werden. Damit begann ein ungewöhnliches Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte: Deutsche Seeleute gingen wieder zur See – nicht als Angehörige einer deutschen Marine, sondern unter alliierter Führung.

Der Deutsche Minenräumdienst entsteht

Unter britischer und amerikanischer Führung entstand 1945 der Deutsche Minenräumdienst, international als German Minesweeping Administration (GMSA) bezeichnet. Zeitweise gehörten ihm rund 27.000 Männer und mehrere hundert Fahrzeuge an. Viele von ihnen waren ehemalige Angehörige der Kriegsmarine. Teilweise fuhren sie sogar auf den ihnen bereits vertrauten Minenräumbooten weiter – nun allerdings unter alliierter Kontrolle.

Nach Rückgabe an die neue deutsche Marine erhielten sie die Namen SIRIUS, POLLUX, SATURN und SPICA. Das Begleitschiff ist USN 101, ehemals ein Kriegsmarineschlepper mit Namen PUDDEFJORD. Bei der Marine erhielt das Schiff den Namen OSTE.Quelle: Die Marine in Wilhelmshaven. Eine Bildchronik zur deutschen Marinegeschichte von 1853 bis heute. Bernhard Koop, Erich Mulitze.
Nach Rückgabe an die neue deutsche Marine erhielten sie die Namen SIRIUS, POLLUX, SATURN und SPICA. Das Begleitschiff ist USN 101, ehemals ein Kriegsmarineschlepper mit Namen PUDDEFJORD. Bei der Marine erhielt das Schiff den Namen OSTE.
Quelle: Die Marine in Wilhelmshaven. Eine Bildchronik zur deutschen Marinegeschichte von 1853 bis heute. Bernhard Koop, Erich Mulitze.

Der Auftrag war eindeutig: Minen suchen. Minen räumen. Seewege wieder öffnen.

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Historischer Kalender – Maritime Ereignisse vor 100 Jahren

Ein Übungstorpedo versenkt die „Sigrid“

Am 10. August 1926 kommt es in der Ostsee zu einem ungewöhnlichen und folgenreichen Unfall. Während einer nächtlichen Torpedoübung der deutschen Reichsmarine wird der dänische Segler „Sigrid“ von einem Übungstorpedo getroffen. Die fünfköpfige Besatzung kann gerettet werden – das Schiff selbst ist nicht zu retten.

Es ist kurz vor Mitternacht. Die „Sigrid“, eine kleine dänische Galeasse aus Fredericia, befindet sich auf der Reise von Lübeck nach Kopenhagen. An Bord befinden sich rund 92 Tonnen Porzellanerde. Das Schiff ist damit ein typischer kleiner Frachtensegler jener Zeit, der zwischen den Häfen der Ostsee unterwegs ist.

Zur gleichen Zeit führen deutsche Torpedoboote in der Ostsee eine nächtliche Schießübung durch. Die Reichsmarine befindet sich damals in einer besonderen Situation. Nach dem Ersten Weltkrieg ist ihre Stärke durch den Versailler Vertrag erheblich begrenzt. Dennoch muss die Marine ihre Besatzungen ausbilden und den Umgang mit ihren Waffen und Geräten trainieren. Torpedoübungen gehören zu den wichtigen Ausbildungsaufgaben.

Torpedo-Boot S 19, 17.10.1912. Führerboot der XIV. Halbflottille, ab 1917 Vorposten- u. Geleitflottille, in Reichsmarine übernommen. Quelle: Die deutsche Flotte 1845 – 1945. Kroschel-Evers 8. Auflage

 

An der Übung sind die Torpedoboote „S 18 und S 19“ beteiligt. Beide Boote stammen aus der Zeit der Kaiserlichen Marine und waren nach dem Krieg in die Reichsmarine übernommen worden.

Torpedo-Boot S 19, Torpedobootsflottille, 1935 abgewrackt.
Quelle: Die deutsche Flotte 1845 – 1945. Kroschel-Evers
8. Auflage

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