Die Reichsmarine auf Kurs des Neubeginns

Vor 100 Jahren – historisches Kalenderblatt

Das Jahr 1926 markierte für die deutsche Reichsmarine eine wichtige Phase des Wiederaufbaus und der Neuorientierung. Nur acht Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges stand sie noch immer unter den strengen Auflagen des Versailler Vertrages. Die einst mächtige Kaiserliche Marine war auf eine kleine Seestreitkraft reduziert worden. U-Boote waren verboten, die Zahl der Schiffe begrenzt und der Handlungsspielraum stark eingeschränkt.

Trotz dieser schwierigen Rahmenbedingungen begann die Reichsmarine, vorsichtig neue Perspektiven zu entwickeln. Ein sichtbares Zeichen dafür war die Indienststellung des Leichten Kreuzers „Emden“ im Jahr 1926. Das Schiff war der erste größere deutsche Kriegsschiffsneubau nach dem Ersten Weltkrieg und wurde schnell zum Symbol des maritimen Neubeginns. Als Ausbildungs- und Repräsentationsschiff diente die „Emden“ der Ausbildung des Offiziernachwuchses und repräsentierte Deutschland auf internationalen Reisen.

Der Leichte Kreuzer Emden war ein deutsches Kriegsschiff der Reichsmarine der Weimarer Republik und später der Kriegsmarine. Sie war nach den beiden gleichnamigen Kleinen Kreuzern von 1909 beziehungsweise 1917 das dritte deutsche Kriegsschiff, das nach der Stadt Emden benannt wurde.

 Bild Emden: Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=462390

Besondere Bedeutung gewannen in dieser Zeit die Ausbildungs- und Auslandsfahrten der Reichsmarine. Die „Emden“ unternahm bereits 1926 größere Reisen, unter anderem in den Atlantikraum und nach Spanien. Diese Fahrten dienten nicht nur der seemännischen Ausbildung, sondern waren zugleich Ausdruck der sogenannten „Blauen Diplomatie“. Deutschland wollte nach Jahren der Isolation wieder internationale Kontakte knüpfen und Vertrauen in seine friedliche Entwicklung schaffen.

Auch politisch brachte das Jahr 1926 wichtige Veränderungen. Mit dem Beitritt Deutschlands zum Völkerbund im September desselben Jahres begann eine schrittweise Rückkehr in die internationale Staatengemeinschaft. Dies erleichterte auch der Reichsmarine den Aufbau außenpolitischer Kontakte und stärkte ihre Rolle als Botschafter Deutschlands auf den Weltmeeren.

Für Wilhelmshaven war diese Entwicklung von besonderer Bedeutung. Die Marinestadt an der Jade blieb das Herz der Reichsmarine. Werften, Hafenanlagen und Ausbildungseinrichtungen bildeten die Grundlage für den Wiederaufbau der Seestreitkräfte. Hier wurden Schiffe instandgesetzt, Besatzungen ausgebildet und die Voraussetzungen für die zukünftige Entwicklung der deutschen Marine geschaffen. Die „Emden“ wurde dabei zu einem sichtbaren Symbol für Aufbruch und Hoffnung.

Rückblickend steht das Jahr 1926 für einen vorsichtigen, aber entschlossenen Neuanfang. Die Reichsmarine setzte unter schwierigen Bedingungen auf Professionalität, internationale Präsenz und die Bewahrung deutscher Seefahrtstraditionen. Für Wilhelmshaven bedeutete diese Zeit die Festigung seiner Rolle als bedeutender Marinestandort – eine Tradition, die die Stadt bis heute prägt.

Vor 100 Jahren zeigte sich: Auch nach schweren Zeiten konnte auf der Jade ein neuer Kurs gesetzt werden. Die Reichsmarine blickte wieder nach vorn – und Wilhelmshaven blieb dabei ihr wichtiger Heimathafen und maritimer Mittelpunkt.

Den Kurs für die Marine ab 2035 finden Sie hier.

Walter Steininger

 

 

 

 

 

 

 

 

 

110 Jahre Skagerrak

Der Gigantismus der Stahlschlacht

Die Skagerrakschlacht war der einzige Zeitpunkt im Ersten Weltkrieg, an dem die beiden mächtigsten Flotten der Welt – die britische Grand Fleet und die deutsche Hochseeflotte – direkt aufeinandertrafen. Das Aufgebot: Insgesamt 250 Schiffe (151 britische, 99 deutsche).

Es war das Zeitalter der Dreadnoughts. Schiffe wie die HMS Queen Elizabeth oder die SMS Lützow waren schwimmende Festungen mit Geschützen, die Granaten von fast einer Tonne Gewicht über 20 Kilometer weit schleudern konnten.

Reinhard Scheer, Franz Hipper, John Jellicoe und David Beatty standen sich als direkte Gegner in der Skagerrakschlacht (auch Jütlandschlacht, Battle of Jutland) vom 31. Mai bis 1. Juni 1916 gegenüber. Dies war die größte Seeschlacht des Ersten Weltkriegs.

Auf deutscher Seite Auf englischer Seite
       
Vizeadmiral

Reinhard Scheer

Vizeadmiral

Franz von Hipper

Vizeadmiral

David Beatty

Admiral

John Jellicoe

     

Bilder: Wikimedia Commons

Admiral Reinhard Scheer versuchte, Teile der britischen Flotte in eine Falle zu locken, während Admiral John Jellicoe hoffte, die deutsche Flotte durch seine zahlenmäßige Überlegenheit vernichtend zu schlagen.

Ein tödliches Inferno

Die Schlacht lässt sich in drei Phasen unterteilen:

  • Das Kreuzergefecht: Am Nachmittag des 31. Mai trafen die Vorhuten aufeinander. Hier erlitten die Briten schwere Verluste, als mehrere ihrer Schlachtkreuzer (u.a. die Indefatigable und die Queen Mary) nach Treffern in die Munitionskammern explodierten.
  • Die Hauptschlacht: Als die Hauptflotten aufeinandertrafen, bildeten die Briten das berühmte „Crossing the T“ – eine taktische Position, in der sie ihre volle Breitseite gegen die Spitze der deutschen Linie einsetzen konnten.
  • Der Nachtdurchbruch: In einer dramatischen und chaotischen Nachtaktion gelang es der deutschen Hochseeflotte, sich durch die britischen Linien hindurch in Richtung ihrer Heimatbasen abzusetzen.

Die Bilanz des Schreckens, obwohl Deutschland taktisch einen „Punktsieg“ verbuchen konnte (da die Briten mehr Schiffe und fast doppelt so viele Männer verloren), änderte sich an der strategischen Lage nichts: Die britische Blockade blieb bestehen, und die deutsche Flotte wagte danach kaum noch einen Vorstoß. Britische Verluste: 14 Schiffe, 6.094 Tote. Deutsche Verluste: 11 Schiffe, 2.551 Tote.

„Es ist etwas los mit unseren verdammt schlampigen Schiffen heute“ – Admiral Beatty (Royal Navy), nachdem er mit ansehen musste, wie zwei seiner Schlachtkreuzer innerhalb weniger Minuten in riesigen Feuerbällen verschwanden.

Warum wir heute darüber schreiben.

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