Die Minenräumer – Deutschlands gefährlicher Neubeginn zur See 1945–1956
Als Deutschland noch keine Marine besaß
8. Mai 1945. Der Zweite Weltkrieg ist beendet. Die deutsche Kriegsmarine existiert nicht mehr. Deutschland ist besetzt, die militärischen Strukturen werden aufgelöst und die deutschen Streitkräfte gehören der Vergangenheit an. Doch eine Aufgabe lässt sich nicht einfach beenden: Die Meere müssen wieder sicher werden. Während des Zweiten Weltkriegs hatten die Kriegsparteien in großem Umfang Seeminen in Nord- und Ostsee sowie in den Zufahrten zu Häfen und wichtigen Seewegen verlegt. Diese Minen stellten auch nach Kriegsende eine erhebliche Gefahr dar. Für die Handelsschifffahrt, die Versorgung der Bevölkerung und den wirtschaftlichen Wiederaufbau mussten die Seewege wieder befahrbar werden. Damit begann ein ungewöhnliches Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte: Deutsche Seeleute gingen wieder zur See – nicht als Angehörige einer deutschen Marine, sondern unter alliierter Führung.
Der Deutsche Minenräumdienst entsteht
Unter britischer und amerikanischer Führung entstand 1945 der Deutsche Minenräumdienst, international als German Minesweeping Administration (GMSA) bezeichnet. Zeitweise gehörten ihm rund 27.000 Männer und mehrere hundert Fahrzeuge an. Viele von ihnen waren ehemalige Angehörige der Kriegsmarine. Teilweise fuhren sie sogar auf den ihnen bereits vertrauten Minenräumbooten weiter – nun allerdings unter alliierter Kontrolle.

Quelle: Die Marine in Wilhelmshaven. Eine Bildchronik zur deutschen Marinegeschichte von 1853 bis heute. Bernhard Koop, Erich Mulitze.
Der Auftrag war eindeutig: Minen suchen. Minen räumen. Seewege wieder öffnen.
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Historischer Kalender – Maritime Ereignisse vor 100 Jahren
Ein Übungstorpedo versenkt die „Sigrid“
Am 10. August 1926 kommt es in der Ostsee zu einem ungewöhnlichen und folgenreichen Unfall. Während einer nächtlichen Torpedoübung der deutschen Reichsmarine wird der dänische Segler „Sigrid“ von einem Übungstorpedo getroffen. Die fünfköpfige Besatzung kann gerettet werden – das Schiff selbst ist nicht zu retten.
Es ist kurz vor Mitternacht. Die „Sigrid“, eine kleine dänische Galeasse aus Fredericia, befindet sich auf der Reise von Lübeck nach Kopenhagen. An Bord befinden sich rund 92 Tonnen Porzellanerde. Das Schiff ist damit ein typischer kleiner Frachtensegler jener Zeit, der zwischen den Häfen der Ostsee unterwegs ist.
Zur gleichen Zeit führen deutsche Torpedoboote in der Ostsee eine nächtliche Schießübung durch. Die Reichsmarine befindet sich damals in einer besonderen Situation. Nach dem Ersten Weltkrieg ist ihre Stärke durch den Versailler Vertrag erheblich begrenzt. Dennoch muss die Marine ihre Besatzungen ausbilden und den Umgang mit ihren Waffen und Geräten trainieren. Torpedoübungen gehören zu den wichtigen Ausbildungsaufgaben.

An der Übung sind die Torpedoboote „S 18 und S 19“ beteiligt. Beide Boote stammen aus der Zeit der Kaiserlichen Marine und waren nach dem Krieg in die Reichsmarine übernommen worden.

Quelle: Die deutsche Flotte 1845 – 1945. Kroschel-Evers
8. Auflage
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