Als in der Bundesmarine noch Kohle geschaufelt wurde

Die letzten kohlebefeuerten Dampfschiffe der deutschen Marine – ein Stück Marinegeschichte mit Verbindung zu Wilhelmshaven

Als 1956 in Wilhelmshaven die ersten Einheiten der neuen Bundesmarine aufgestellt wurden, begann für die Stadt ein neues Kapitel ihrer Marinegeschichte. Nach Jahren des Stillstands kehrten Marinesoldaten zurück, Dienststellen nahmen ihre Arbeit auf und die ersten Boote liefen ein. Schritt für Schritt entstand eine neue Flotte.

Doch nicht alles war neu. Die junge Bundesmarine musste zunächst mit den Schiffen und der Technik auskommen, die ihr zur Verfügung standen. Dazu gehörten Einheiten, die bereits im Zweiten Weltkrieg eingesetzt worden waren und deren Antriebstechnik noch aus einer ganz anderen Zeit stammte.

Während moderne Antriebskonzepte längst Einzug in den Kriegsschiffbau gehalten hatten, wurde an Bord einiger Minensuchboote weiterhin Kohle geschaufelt, um Dampf für den Schiffsantrieb zu erzeugen.

Ein besonderes Kapitel dieser Übergangszeit schrieb das 2. Hochseeminensuchgeschwader, das am 1. Juni 1956 zunächst in Bremerhaven aufgestellt wurde und noch im selben Jahr nach Wilhelmshaven verlegte. Seine sechs Minensuchboote der Typen 1940 und 1943 gehörten zu den letzten kohlebefeuerten Dampfschiffen der deutschen Marine. Ihre Namen lauteten:

ST – Seestern Typ M 40 | SP – Seepferd Typ M 40 | SH – Seehund Typ M 40 |

SL – Seelöwe Typ M 40 | SE – Seeigel Typ M 40 | SG – Seeschlange Typ M 43 |

Hochseeminensuchboot „Seehund“Typ M 40.
Quelle: Enzyklopädie der Bundesmarine 1956 -1990. Hans Karr.
Motorbuch Verlag.

Noch bis Anfang 1960 wurde in der jungen Bundesmarine Kohle geschaufelt. Die sechs Hochseeminensuchboote des 2. Hochseeminensuchgeschwaders waren die letzten kohlebefeuerten Dampfschiffe der deutschen Marine.

Schiffsgeneration, deren Technik bereits überholt war, die beim Aufbau der Bundesmarine aber noch eine wichtige Rolle spielte.

Es handelte sich keineswegs um kleine Küstenboote, sondern um vollwertige Seefahrzeuge mit einer für heutige Verhältnisse großen Besatzung. Ihre Konstruktion stammte aus der Zeit des zweiten Weltkriegs und war auf die damaligen Anforderungen zugeschnitten.

Die Kohlefeuerung hatte ursprünglich praktische Vorteile. Sie verringerte die Abhängigkeit von knappem Heizöl und entsprach den Anforderungen der damaligen Kriegsproduktion. In den 1950er-Jahren erwies sich diese Technik jedoch zunehmend als Nachteil: Sie erforderte viel Personal, schwere körperliche Arbeit und eine aufwendige Wartung.

Hochseeminensuchboot „Seeschlange“Typ M 43.
Quelle: Enzyklopädie der Bundesmarine 1956 -1990. Hans Karr.
Motorbuch Verlag.

2. Hochseeminensuchgeschwader

Die „Schwarze Gang“

Von den bis zum Kriegsende im Mai 1945 fertiggestellten Minensuchbooten der damaligen Kriegsmarine gingen 63 durch Kriegseinwirkungen verloren. Nach der deutschen Kapitulation wurde der verbliebene Bestand unter den Siegermächten aufgeteilt. Die Vereinigten Staaten erhielten 25 Boote, Frankreich zehn und Italien ein Minensuchfahrzeug.

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Bundesmarine im Aufbau

Von der Dienststelle zur Flotte – der schwierige Neubeginn ab 1956

Am 2. Januar 1956 begann in Wilhelmshaven ein neues Kapitel deutscher Marinegeschichte. Rund zehn Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges traten die ersten Freiwilligen der neu aufgestellten Bundesmarine ihren Dienst an. Die ersten Marineeinheiten entstanden dabei nicht irgendwo, sondern hier in Wilhelmshaven – an einem Ort, der über Jahrzehnte von der deutschen Marine geprägt worden war.

Doch von einer Flotte konnte zunächst keine Rede sein

Die Bundesmarine musste praktisch von Grund auf aufgebaut werden.

Personal musste gewonnen und ausgebildet, Dienststellen mussten eingerichtet, Kasernen und Infrastruktur hergerichtet und Schiffe und Boote beschafft werden. Die erste Marineeinheit war die im Januar 1956 aufgestellte Marinelehrkompanie in Wilhelmshaven.

Sie bildete den Ausgangspunkt für den weiteren personellen Aufbau. Gleichzeitig entstanden die ersten Führungs- und Unterstützungsstrukturen. Am 2. Mai 1956 nahm in Wilhelmshaven-Sengwarden das Kommando der Flottenbasis seinen Dienst auf. Am 15. Juni folgte das Kommando der Seestreitkräfte, zunächst unter der kommissarischen Führung von Kapitän zur See Max-Eckart Wolff. Damit begann sich aus einzelnen Dienststellen allmählich eine militärische Führungsstruktur zu entwickeln.

Die ersten Boote gehen in Dienst

Besonders schnell ging der Aufbau bei den Minenstreitkräften voran. Am 16. Mai 1956 wurde in Wilhelmshaven das 1. Schnelle Minensuchgeschwader mit zwölf Booten aufgestellt. Am 1. Juni folgte in Bremerhaven das 2. Hochseeminensuchgeschwader mit sechs Booten.

Das war kein Zufall. Bereits nach dem Krieg waren deutsche Minenräumverbände unter alliierter Führung eingesetzt worden. In Nord- und Ostsee mussten tausende Seeminen geräumt werden. Aus diesen Erfahrungen und vorhandenen Strukturen konnte die junge Bundesmarine teilweise auf Personal und Boote zurückgreifen. Auch der Seegrenzschutz und die amerikanisch geführte Labour Service Unit bildeten wichtige personelle und materielle Ausgangspunkte.

Damit begann etwas, das für die spätere Bundesmarine charakteristisch werden sollte.

Vom Kommando der Seestreitkräfte zum Flottenkommando

Auch die Führungsorganisation entwickelte sich weiter.

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Die Minenräumer – Deutschlands gefährlicher Neubeginn zur See 1945–1956

Als Deutschland noch keine Marine besaß
8. Mai 1945. Der Zweite Weltkrieg ist beendet. Die deutsche Kriegsmarine existiert nicht mehr. Deutschland ist besetzt, die militärischen Strukturen werden aufgelöst und die deutschen Streitkräfte gehören der Vergangenheit an. Doch eine Aufgabe lässt sich nicht einfach beenden: Die Meere müssen wieder sicher werden. Während des Zweiten Weltkriegs hatten die Kriegsparteien in großem Umfang Seeminen in Nord- und Ostsee sowie in den Zufahrten zu Häfen und wichtigen Seewegen verlegt. Diese Minen stellten auch nach Kriegsende eine erhebliche Gefahr dar. Für die Handelsschifffahrt, die Versorgung der Bevölkerung und den wirtschaftlichen Wiederaufbau mussten die Seewege wieder befahrbar werden. Damit begann ein ungewöhnliches Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte: Deutsche Seeleute gingen wieder zur See – nicht als Angehörige einer deutschen Marine, sondern unter alliierter Führung.

Der Deutsche Minenräumdienst entsteht

Unter britischer und amerikanischer Führung entstand 1945 der Deutsche Minenräumdienst, international als German Minesweeping Administration (GMSA) bezeichnet. Zeitweise gehörten ihm rund 27.000 Männer und mehrere hundert Fahrzeuge an. Viele von ihnen waren ehemalige Angehörige der Kriegsmarine. Teilweise fuhren sie sogar auf den ihnen bereits vertrauten Minenräumbooten weiter – nun allerdings unter alliierter Kontrolle.

Nach Rückgabe an die neue deutsche Marine erhielten sie die Namen SIRIUS, POLLUX, SATURN und SPICA. Das Begleitschiff ist USN 101, ehemals ein Kriegsmarineschlepper mit Namen PUDDEFJORD. Bei der Marine erhielt das Schiff den Namen OSTE.Quelle: Die Marine in Wilhelmshaven. Eine Bildchronik zur deutschen Marinegeschichte von 1853 bis heute. Bernhard Koop, Erich Mulitze.
Nach Rückgabe an die neue deutsche Marine erhielten sie die Namen SIRIUS, POLLUX, SATURN und SPICA. Das Begleitschiff ist USN 101, ehemals ein Kriegsmarineschlepper mit Namen PUDDEFJORD. Bei der Marine erhielt das Schiff den Namen OSTE.
Quelle: Die Marine in Wilhelmshaven. Eine Bildchronik zur deutschen Marinegeschichte von 1853 bis heute. Bernhard Koop, Erich Mulitze.

Der Auftrag war eindeutig: Minen suchen. Minen räumen. Seewege wieder öffnen.

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