70. Geburtstag der ARCONA

Das Frühjahr und der Sommer 2013 bo- ten der ARCONA neben den seit Jahren praktizierten Teilnahmen am „Wochenende an der Jade“, dem „JadeWeserPort-Cup“ und den „Tagen der offenen Tür“ im Marinestützpunkt Wilhelmshaven zwei zusätzliche hochgradige Ereignisse, die außerhalb der eingespielten Routine zu planen, zu managen, detailliert zu organisieren und zu realisieren waren. Es waren die Durchführung des „AO-Tages“ (Abgeordneten-Tages) des Deutschen Marinebundes Anfang Juni 2013 in Wilhelmshaven und der Empfang an Bord der ARCONA am 18. August 2013 anläßlich ihres 70. Geburtstages, der in die Zeit der Veranstaltungen des „34. Deutschen Seeschifffahrttages“ in Wilhelmshaven zusammen mit dem „JadeWeserPort-CUP“ fiel.
Unter der bewährten Führung unseres Vorsitzenden legte ein Team den Rahmen, den Zeitablauf und die Einzelheiten fest. Besonders aufwendig gestaltete es sich, eine ausgewogene Einladungsliste zu erstellen, die auch Persönlichkeiten aus der Politik, der Verwaltung der Stadt Wilhelmshaven, der Wirtschaft, der Bundeswehr, der Marine und der Kirche erfaßte. Als Ergebnis wurden ca. 270 Einladungen verschickt.
Unsere Kameradin Helma Emedi stellte sich der Herausforderung, für das leibliche Wohl unserer Gäste zu sorgen. Ihr gelang es, ein Dutzend Damen zu gewin- nen, die sich bereit erklärten, kurzfristig nach Feststellung der potenziellen Teilnehmerzahl etwa 1000 „Häppchen“ in eigener Fertigung bereitzustellen und an Bord zu liefern. Zusammenfassend kann bekundet werden, dass es diesen – so Zitat Kameradin Helma Emedi – „Häppchendamen“ gelang, ein Meisterstück aus Qualität, Vielfalt, Farbe, Volumen und Schmackhaftigkeit aufzubauen. Ein derartiges „Spitzenessen“ hätte bei einem Gastronomiebetrieb einen für die Kameradschaft unerschwinglichen finanziellen Aufwand zur Folge gehabt. Dank und Anerkennung für diesen wesentlichen Beitrag unserer „Häppchendamen“, die mit Enthusiasmus ihre Aufgabe äußerst erfolgreich gelöst haben.

Der Empfang war auf dem Sonnendeck vorgesehen, als Schlechtwetterlösung musste das Werner-Brune-Deck vorbereitet sein.
Morgens um acht wahrschaute der Vorsitzende die Akteure, dass auf Grund des herrschenden Regens die Entscheidung für die Schlechtwetterlösung gefallen sei. Auch dieser Alternative stellten sich die Durchführenden mit Dynamik, so dass zeitgerecht alle Vorbereitungen abgeschlossen waren.

Um 11:30 Uhr – 3½ Glasen – begann unser Shantychor mit dem Vortrag von drei Stücken. Danach hieß der Vorsitzende der MK WHV, Kamerad Horst J. Tschöpe, Mitglieder und Gäste herzlich willkommen und begrüßte namhafte Vertreter aus Rat und Verwaltung der Stadt Wilhelmshaven, aus der Bundeswehr, aus der Teilstreitkraft Marine und aus Vereinen, sowie Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens aus Wilhelmshaven und Umgebung, der örtlichen Medien sowie einige Inserenten unseres Vereinsorgans, der „Flüstertüte“ und Bürger aus Schortens, Jever und Wilhelmshaven.
Persönlich begrüßte er:

  • Herrn Holger Barkowsky, Bürgermeister der Stadt WHV
  • Herrn Fritz Langen, Bürgermeister der Stadt WHV
  • Herrn Konsul Friedrich A. Meyer
  • Herrn Lutz Wilhelm, Hafenkapitän des Niedersächsischen Hafenamtes
  • Herrn Oberst Freudenfeld, StvKdr des LogZentrums der Bundeswehr
  • Herrn KzS Vehoff, Kdr MStPktKdo WHV und seinen Vertreter, Herrn FKpt Mandt
  • Herrn KzS Schönbach, Kdr 4.Fgeschw und Kptlt Exner aus der EF 2
  • Herrn Marco Beikert, Vorsitzender des AKRO
  • Herrn OStBtsm a.D. Hüpel als Vertreter des MPUO-Korps
  • Herrn KL Sonntag, den ehemaligen Vorsitzenden Vorstand Marine im Deutschen Bundeswehrverband
  • Herrn Pastor Busemann von der Christus-und Garnisonkirche
  • Herrn Jürgen Peters, den langjährigen Redakteur für Schifffahrt, Hafen und Marine der Wilhelmshavener Zeitung
  • Herrn Helmut Möhle, Mitglied des Rates der Stadt Wilhelmshaven (Höchstpersönliche Begrüßung durch den Vorsitzenden direkt im Anschluß an seine Rede)

Besonders entbot er seine Grüße unseren Ehrenmitgliedern der Marinekamerad- schaft Wilhelmshaven:

  • Helga Behrends, Hannelore und Rolf Behrens, Ludwig Brinker, Uwe Gückler, Wilhelm Niebuhr und Augustinus Vornhusen sowie
  • einigen ehemaligen Vorstandsmitgliedern der MK WHV.

Es folgte der Willkommensgruß an die werten Kameradinnen und Kameraden unserer MK mit Angehörigen und Gästen, sowie an Herrn August Desenz, eben- falls Mitglied unserer MK und viel beschäftigter Drehorgelspieler, der mit seinem Spruch „Heute spiele ich für die ARCONA“ eine nicht unerhebliche Summe mit der Drehorgel vor der ARCONA einspielte und der ARCONA zur Verfügung stellte.

Abschließend begrüßte unser Vorsitzender unsere „Botschafter in Blau“, unseren Shantychor unter der Leitung von Erwin Oldenettel und Harro Scheel, sowie un- sere Hausband „Melodiemix“ aus Hilden im Rheinland mit Joachim Büttner und Uwe Peters, die schon seit vielen Jahren mit ihrer Musik unsere Veranstaltungen beim „Wochenende an der Jade“ und beim „JadeWeserPort-CUP“ musikalisch bereichern.

Der Darstellung des wechselvollen und abwechselungsreichen Lebens unseres Geburtstagskindes, der mittlerweile 70 Jahre „älteren Dame“ ARCONA und „Hauptdarstellerin“ des Tages, war der nächste Teil des Vortrages gewidmet:

Gebaut wurde unsere ARCONA, unser schwimmendes Heim- und Wohnschiff, im Jahre 1943 auf der Werft Christof Ruthoff in Mainz-Kastell. Sie wurde noch in demselben Jahr von der Deutschen Kriegsmarine in Dienst gestellt. Sie bot 81 Marinern eine Unterkunft und hatte eine Stammbesatzung von 7 Mann. Bei einer Länge von 66,4 m, einer Breite von 9,99 m und einem maximalen Tiefgang von 2,6 m verdrängte sie etwa 380 t und ist mit 960 BRT vermessen worden.
Was sie während des Krieges erlebt hat, wann sie wo ihren Heimathafen hatte, ist offenbar nicht dokumentiert, sie verschweigt es uns. Nach dem Krieg wurde sie von der Royal Navy übernommen und diente bei der Royal Rhine Flottilla in Krefeld. Nach Aufstellung der Bundeswehr übernahm die Bundesmarine das Schiff und ließ es bei der Lindenau-Werft in Kiel-Friedrichsort als Wohnschiff herrichten, übernahm es unter der Nummer „Y 809“ und stellte es 1958 beim Marinestützpunktkommando Wilhelmshaven wieder in Dienst.
In den Jahren 1965 bis 1968 – an der Scheermole im Marinestützpunkt Kiel liegend – leistete sie ihren Dienst als „Stabsarche“ des 3. Minensuchgeschwaders.
Offiziell war ihr Name damals „Gebäude 28“. Der Kasernenkommandant des Marinestützpunktes wollte sich aber mit einer derart nüchternen Bezeichnung für ein Schiff nicht abfinden und gab ihr daher den Namen ARCONA, in Erinnerung an das bis 1940 in Kiel beheimatete Wohnschiff desselben Namens, den ehema- ligen Kleinen Kreuzer SMS ARCONA der Kaiserlichen Marine.
In den Jahren bis 1982 diente unsere ARCONA in Kiel nicht nur als Wohnschiff für Dienstreisende und Besatzungen von Werftliegern, sondern war auch Namensgeberin für die Marinefernsprechvermittlung Kiel an Bord der ARCONA, die sich jahrelang noch gerne mit „Vermittlung ARCONA“ meldete, obwohl diese seit vielen Jahren längst in einer modernen Landunterkunft untergebracht war.
Am 12. 08. 1982 wurde „Y 809“ mit dem Namen ARCONA endgültig außer Dienst gestellt und am 24. 04. 1984 ausgesondert.
Auf Betreiben des damaligen Vorsitzenden der MK WHV, unseres verstorbenen Kameraden Manfred Kaluza, konnte die unentgeltliche Überlassung der ARCONA an den DMB und die Weitergabe an die MK WHV von 1894 e. V. zur Nutzung und Pflege vertraglich abgesichert werden.
Am 14.08.1984 wurde die ARCONA dann offiziell übernommen und anlässlich der Feier zum 90-jährigen Bestehen der MK WHV als Heim- und Wohnschiff übergeben.
Eine besonders herausragende Umgestaltung erfuhr sie, als der Wilhelmshavener Verleger Werner Brune das ehemalige Unterrichtsdeck völlig neu gestalten ließ. Damit schenkte er uns einen Raum für fröhliche Feiern und gemütliche Tref- fen im Kameradenkreis. Ihm zu Ehren trägt dieser Raum auch den Namen: Werner-Brune-Deck.

Zum Abschluss seiner Ansprache trug des Vorsitzenden der MK WHV Perspekti- ven zur Zukunft der ARCONA vor:

Die Erhaltung der ARCONA als schwimmendes Vereinsheim ist von zentraler Bedeutung für den Fortbestand der Kameradschaft als Verein und unseres Ka-meradschaftslebens: Sie – die ARCONA – ist und bleibt der zentrale Ort der Pflege der Kameradschaft! Voraussetzung ist allerdings eine kostendeckende Bewirtschaftung unseres Heim- und Wohnschiffes.

Eine tragende Säule ist die ausreichende Anzahl von Übernachtungen an Bord, um Personal-, Verwaltungs-, Betriebs- und Energiekosten abzudecken. In dieser Hinsicht ist erfreulicherweise festzustellen, dass in zunehmendem Maße unser Heim- und Wohnschiff von Marinekameradschaften, Reservistenkameradschaf- ten, Bordgemeinschaften, Vereinen und anderen Gruppen für Übernachtungen, Feiern, Seminare und Tagungen genutzt wird

Zur Reduzierung der Energiekosten wird Mitte September 2013 die Heizungsanlage des Schiffes von Öl- auf Gasheizung umgestellt werden.

Die Marinekameradschaft Wilhelmshaven mit der ARCONA am Bontekai in zentraler Lage der „Maritimen Meile“ Wilhelmshavens pflegt zu den verschiedensten Institutionen aller Bereiche gute Beziehungen und wird diese ausbauen bzw. festigen, damit der Bekanntheitsgrad der ARCONA als Anziehungspunkt weiter gesteigert wird.

Unser Vereinsorgan, die „Flüstertüte“ weist eine breite Palette von Inserenten auf, denen wir ausdrücklich Dank zollen, dass sie uns ihre Werbeanzeigen übertragen haben. Die Verbundenheit zu den Inserenten wird es ermöglichen, das Erschei- nen dieser Broschüre auch in Zukunft auf eine wirtschaftliche Basis stellen zu können.

Der Marinekameradschaft Wilhelmshaven wird es immer bewusst sein, dass der Erhalt der ARCONA stets auch durch Freunde, Gönner, Förderer und Protektoren mitgetragen wird.

Mit seinem Toast auf die Gäste und die ARCONA schloss der Vorsitzende seine Worte ab, denen der Shantychor nochmals mit einer Darbietung folgte.

Der Bürgermeister der Stadt Wilhelmshaven, Fritz Langen, unterstrich mit seinem Grußwort die erfolgreiche Rolle der ARCONA während ihrer vergangenen fast 30-jährigen Liegezeit am Bontekai und wünschte ihr für die Zukunft alles erdenklich Gute.

Nachdem der Shantychor abermals sein Können unter Beweis stellte, wurde dem Vorsitzenden von allen Seiten zur Rede herzlich gratuliert und für den Empfang gedankt. Gleichzeitig wurde zu Rees an Backbord bzw. „small talk“ bei Geträn- ken und den (oben dargestellten) schmackhaft zubereiteten Imbisshäppchen übergeleitet.

Ab 14.00 Uhr übernahm die Damengruppe unter der Leitung von Waltraud Miklis das Kommando, um den Gästen im Rahmen des „open ship“ zum JadeWeser- Port-CUP Kaffee und Kuchen zu reichen – auf der ARCONA herrschte wieder relativ gelassene Bordroutine im Rahmen eingespielter Abläufe. Die köstlichen selbstgebackenen Torten fanden guten Absatz. Im Ganzen verdienen die Damen, die Kuchen zur Verfügung gestellt haben und/oder den Betrieb persönlich an Bord tatkräftig mit ihrem Einsatz unterstützt haben, uneingeschränkten Respekt und Dank.

Insgesamt war der Empfang zum 70. Geburtstag der ARCONA trotz des Regen- wetters ein überaus gelungenes Ereignis und ein herausragender Meilenstein in der Chronik des Schiffes, das wir – „last but not least“ – mit Fug und Recht als das älteste „quasi in Dienst befindliche“ Schiff der Deutschen Marine bezeichnen können. Möge ihr noch lange die erforderliche Handbreit Wasser unter dem Kiel gewährt sein!

Norbert Lehmann – Mitarbeit: Helma Emedi und Waltraud Miklis

1 thought on “70. Geburtstag der ARCONA

  • Hi, „Altes Mädchen“ bist 70 Jahre alt geworden und immer noch trotzt du Sturm (Orkan) und Wind. Hab´ bis dato gar nicht gewusst, dass wie vom selben Baujahr sind. Auch ich werde noch im Dez. 70 Jahre alt. Herzlichen Glückwunsch! Und weiterhin: Bleib stabil!!!! Warum ich dir schreibe? Weil ich auf deinen Planken in den Jahren 67/68 als junger Maat Dienst im Stab beim 3. MSG (Kiel) verrichtet habe, der später dann unters Dach eines Stützpunkt-Gebäudes verlegt worden ist. Ich selber bekam dann ein Bordkommando auf dem schnellen Minensucher „Schütze“. Die Boote selber wurden an die Scharnhorstbrücke verlegt. Dort war ich dann meinem vorigen Bordkommando beim 7. Schnellbootgeschwader, dem – S-Boot „Nerz“- wieder näher gekommen. Dieses Geschwader lag an der Salzwedelbrücke der Scharnhorstbrücke unmittelbar gegenüber. Auf dem S-Boot „Nerz“ fuhr ich vom 07.64 bis 12.66 . Übrigens, ich war sogenannter 12-Ender (64 bis 76) .Auf dem „Nerz“ habe ich die gesamte Umrüstungsphase für die Raketenversuch in der Lürrsenweft und in der Folge dann auch die Raketenversuche in der Nordsee miterleben dürfen. Denke gern daran zurück, lagen wir in den Versuchspausen doch in dieser Zeit im Hörnumer Hafen. Wünsche der „Besatzung“ der Arcona alles Gute und. . . passt auf sie auf. Es grüßt StBtsm. a.D. Helmut B.

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